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Nach Ostern vor Ostern?

osterstrauß

Pünktlichkeit ist keine meiner Stärken. Dass sich der Osterstrauß gehalten hat liegt aber daran, dass wir die Feste feiern wie sie fallen - und nicht mit Supermärkten. Mitte Januar stand ich mit heißem Hunger zwischen den Regalen und sah die Silberfolien blitzen. Gefühlte Unterzuckerung, schon ließ mich pure Gier auf billig nachgeworfne Weihnachtsrestbestände hoffen, ich stand davor - doch irgendwas war falsch. Ich brauchte wirklich mehrere Sekunden, bis ich begriff: das waren Schokoladenosterhasen. Im Januar! Irgendwann ist alles eine Soße. Sehr fließbandfreundlich, das ganze Jahr der selbe Schnee. Wo doch der echte ohnehin nicht mehr recht fallen will. Die Christbaumkugeln werden eierförmig, und Osterhasen im Weihnachtsmannkostüm hab ich im letzten Jahr bereits gesichtet. Und diese meine Leier wiederholt sich auch ein jedes Jahr - vielleicht ist ja nach Ostern wirklich nur noch vor Ostern?
30.3.08 12:08


veilchen

ein rechteck veilchen

weißt gestern noch, als das geweb des himmels
dir voller sterne wie ein spinnennetz im tau
erinnerst dich, wie über nacht die wiese
von abertausend veilchen übergossen blau

ausgestanzt und in ein rechteck umverpflanzt

in welch beengt gefäß dein leben dich auch zwängt
ach, wachse in geduld nur noch ein weilchen
hast bald auch du das starre rechteck dir gesprengt
wie über nacht die wiese voller veilchen
28.3.08 09:44


weihnacht

zwischen funkelnden sternen schimmert silbrig der mond
wo schon immer der mann mit dem mondgesicht wohnt
der versonnen besungen noch im traum uns geklungen
la-le-lu, nur der mann im mond schaut zu...

an der wahrheit zerreißt diese stille idylle
wächst erkenntnis des grauens in hülle und fülle

ach wie weihnachtlich glänzet die adventliche welt
und wie je wird vor weihnacht ein bäumchen gefällt
an den lichtern der kerzen wärmen sich unsre herzen
süßer die glocken nie klingen...

doch die wahrheit zerreißt diese warme idylle
denn da draußen die welt ist ein schrei in der stille

und vom sternengefunkel kriecht kälte herab
weht die weihrauchvernebelte weihnacht ins grab
so sind schmerzen und trost ineinander verwunden
seit geschundene seelen die weihnacht gefunden
6.12.07 08:53


fettnapf-ode

ein fettnapf hier, ein fettnapf da
und zwischendurch schnell ein fauxpas
das ist, zu hadern ganz vergebens
der rote faden seines lebens
er kann sich drehen, kann sich winden
der nächste fettnapf wird ihn finden

minenfelder aus fauxpas sind sein fettnapf-reservoir
und so manches lebensglück wird ihm bald zum stolperstrick

sobald er über jemand lachte
war der, des er sich lustig machte
wie in der mär von has' und igel
schon lang, da geb ich brief und siegel
dicht hinter ihm, und gar nicht heiter
doch er, er lästert munter weiter

minenfelder aus fauxpas...

da kann er reden oder schweigen
ein jedes wort wird sich so neigen
das es ihm zum fauxpas gerät
zum fettnapf kommt er nie zu spät
ja, selbst das noch nicht mal gedachte
ihm seinen nächsten fettnapf brachte

minenfelder aus fauxpas...

(Es gibt Tage, an denen kann man tun und lassen, reden oder schweigen, immer ists verkehrt, nämlich ins Gegenteil...)
27.11.07 08:44


unbeschriebnes blatt

unbeschriebnes blatt, du neue seite
meines lebens, die mir anvertraut
die mich immer wieder ruft, beschreite
neuland, bis ein neuer morgen graut

unbeschriebnes blatt, das du mein leben
füllst, da du mich leere füllen heißt
wo sich traum und wirklichkeit verweben
wo das glück mir neue wunden reißt

unbeschriebnes blatt, du helle seite
weiß und unberührt wie neuer schnee
laufe wilden schritts in deine weite
atemlos rund um den tränensee
25.11.07 12:36


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